Bei der Gemeinderatssitzung am vergangenen Montag wurden erstmals Überlegungen zur Zukunft des Pausa-Verwaltungsgebäudes mit Bogenhalle öffentlich vorgestellt. Damit verbunden ist die Entwicklung des Geländes westlich der Richard-Burkhardt-Straße zu einem attraktiven innenstadtnahen Wohnquartier.

Vorangegangen waren interne Beratungen zwischen Stadtverwaltung, Gemeinderat und einem potentiellen Partner. In der Sitzung wurde durch den Oberbürgermeister Herr Hansulrich Benz vorgestellt, der bereit wäre, sich als Projektentwickler und Investor einzubringen. Er ist Architekt und empfiehlt sich durch vorzeigbare Projekte, bei denen er bereits vergleichbare denkmalgeschützte Industriebauten einer neuen Nutzung zuführen konnte.

Ausgangspunkt aller Pläne muss die Dimension der Gebäude und Flächen sein, die zur Sanierung und Nutzbarmachung anstehen. Wir als Stadt wären mit einem solchen Großprojekt hoffnungslos überfordert! Zweitens aber gibt es für jedes Projekt so etwas wie ein Fenster der Möglichkeiten, das genutzt werden muss, bevor dann irgendwann gar nichts mehr geht. So, wie wir mit dem Gesundheitszentrum im Merz-Areal die Gunst der Stunde ergriffen haben, dürfen wir nicht zögern, wenn sich die vielleicht einmalige Gelegenheit bietet, unsere Industriedenkmäler dauerhaft zu erhalten und aus dieser riesigen Fläche das „Pausa-Quartier“ zu entwickeln.

Die Frage muss natürlich gestellt werden, ob das Angebot des Investors diese einmalige Gelegenheit darstellt. Wegen der sehr hohen denkmalrechtlichen Anforderungen an die zu erhaltenden Bestandsgebäude haben wir in den über zehn Jahren seit dem Erwerb der Pausa nicht viele realistische Angebote erhalten. Die Auflage, die Pausa-Sammlungen im Gebäude zu belassen, stellt ein weiteres Hindernis für eine rentierliche Nutzung dar. Nachdem aber jetzt ein erstes Ausloten der Möglichkeiten ein positives Ergebnis gebracht hat, plädieren wir dafür, mit diesem potentiellen Investor die nächsten Schritte zu gehen.

Es geht nun zunächst darum, Bedingungen zu definieren, unter denen Stadt und Investor zusammenkommen könnten. Was hält der Investor für möglich und finanzierbar, was ist für uns als Stadt erstrebenswert, was unverzichtbar? Lassen sich diese Wünsche mit dem Denkmalschutz vereinbaren? Welche Kröten müsste die Stadt schlucken, welche Zumutungen könnte der Investor tolerieren?

Einige Dinge sind gesetzt. Die Sammlung der Pausa muss vor Ort bleiben, also benötigen wir im Verwaltungsgebäude oder in der Bogenhalle viel Platz, der nicht an den Investor gehen kann. Außerdem sind die sogenannten „Tabu-Räume“ einer Vermarktung entzogen, und gleichzeitig sind sie eine Herausforderung, was ihre Sanierung und dann auch die mögliche museale Nutzung angeht. Und wir wollen die einzigartige Fläche der Bogenhalle, in welcher organisatorischen Form auch immer, für kulturelle Veranstaltungen wie erwa Theatervorstellungen nicht komplett abschreiben.

Andere Aspekte fehlen uns noch. Die Pausa als Firma stand stets auch für Unternehmergeist, Erfindungsreichtum, Innovation und fortschrittliches Design. Deshalb, aber natürlich auch, um die zur nachhaltigen Finanzierung von Kultur und Denkmalpflege notwendigen Gewerbesteuereinnahmen zu erzielen, wäre es uns wichtig, im Pausa-Quartier auch wieder innovative Gewerbebetriebe zu integrieren. Diese müssten natürlich in ein Wohngebiet passen, aber beispielsweise die Dependence einer Firma aus dem Bereich der Biotechnologie oder der künstlichen Intelligenz hätte für uns durchaus Charme. Auch ein Gründerzentrum oder eine Manufaktur könnten passen. Wir freuen uns deshalb darüber, dass die Stadtverwaltung unserem Vorschlag folgen will, den Wirtschaftsförderer in die weiteren Planungen intensiv einzubinden.

Für die Wohnbebauung westlich der Richard-Burkhardt-Straße wollen wir eine moderat verdichtete Bauweise, wie sie einer Innenstadtlage angemessen ist. Das heißt, vorwiegend Geschossbau, was auch vor dem Hintergrund der Notwendigkeit, preiswerten Wohnraum zu schaffen, sinnvoll ist. Wir wünschen uns eine deutliche Einbeziehung der Steinlach ins Erscheinungsbild des neuen Quartiers, und eine Verkehrsplanung, die nicht nur Autoverkehr, sondern zunächst und gerne privilegiert Fahrradwege und Fußgänger berücksichtigt. Wichtig ist uns zudem die Möglichkeit, eine kleinparzellige Sozialstruktur zu erhalten, in der Strukturen einer Nachbarschaftshilfe umsetzbar sind.

Ob das alles mit diesem Investor realisierbar ist, und was gegebenenfalls auch aufgegeben werden kann, bevor die Schmerzgrenze auf beiden Seiten erreicht ist, das werden wir jetzt prüfen. Wir stellen aber die Bedingung, dass es im Fortgang der Angelegenheit definierte Punkte gibt, an denen jeweils eine Entscheidung möglich ist, ob wir weitermachen, den Plan ändern oder die Sache beenden.

Für die CDU-Gemeinderatsfraktion

Dr. Andreas Gammel

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