Zeichen für Demokratie, Solidarität und Respekt

Kundgebung in Mössingen

Das Bündnis „Mössingen für Demokratie, Solidarität und Respekt“, bestehend aus Mitgliedern aller Fraktionen des Mössinger Gemeinderats, VertreterInnen örtlicher Parteien, Elternvertretern und engagierten BürgerInnen lud am Samstag, 29.01 zur Kundgebung. Damit sollte ein Zeichen gesetzt werden, dass eine Mehrheit in Mössingen hinter der Demokratie steht und Angriffe auf die Polizei, Einschüchterung demokratisch gewählter Amtsträger oder das Beschädigen öffentlicher Gebäude – gleich ob in Mössingen oder in anderen Orten - als Ausdruck des Protests nicht hinnehmbar sind. Für die CDU-Gemeinderatsfraktion sprach unser Fraktionsvorsitzender Dr. Andreas Gammel - sein Redebeitrag lässt sich im folgenden nachlesen:

Wir stehen hier, weil wir glauben, unsere demokratische Gesellschaft in Schutz nehmen zu müssen. Weil wir spüren, dass die Solidarität mit Schwachen und Gefährdeten nicht mehr selbstverständlich ist. Und weil es uns drängt, den Respekt vor einander zu verteidigen, weil er im Widerstreit unterschiedlicher Meinungen sonst verloren zu gehen droht.

Unser Signal ist, dass wir eine Spaltung unserer Gesellschaft nicht akzeptieren wollen. Da diese Spaltung von einer Kontroverse über eine primär medizinische Problematik ausging, möchte ich als Hausarzt zunächst über die medizinische Seite der Debatte reden.

Covid-19 hat viele meiner Patienten betroffen. Für die meisten ist es kaum mehr als eine Erkältung, manche aber leiden noch monatelang an den Folgen der Erkrankung. Einige sind auch gestorben. Ich habe fast 1.500 Menschen selbst geimpft, und damit ich meinen Patienten auch nach der Impfung noch in die Augen sehen kann, beobachte ich die Impfungen sehr genau. Was ich sehe, deckt sich mit der wissenschaftlichen Literatur:

Kaum eine medizinische Maßnahme ist so gut untersucht wie die Impfung gegen das SARS-CoV 2. Weltweit wurden über 11 Milliarden Impfungen durchgeführt, alleine in Deutschland wurden inzwischen über 160 Millionen Dosen verimpft. Das wird akribisch beobachtet von der Wissenschaft und von einer teils extrem kritischen Öffentlichkeit. Und es gibt ein lange etabliertes Meldesystem für Impfnebenwirkungen und Folgeerscheinungen, über das jeder seine Beobachtungen und Vermutungen weitergeben
kann. Hier sind eine Menge Meldungen aufgelaufen, die gründlich untersucht werden. So kann man sehr sicher unterscheiden, ob ein Ereignis mit der Impfung nur zufällig zeitlich zusammen getroffen ist, oder ob wirklich ein kausaler Zusammenhang bestand.

Wir können nicht behaupten, dass es keine negativen Effekte der Impfung gibt. Schmerzen an der Impfstelle sind häufig. Auch Symptome wie Kopf- oder Gliederschmerzen sehen wir oft nach der Impfung. Solche Symptome zeigen uns an, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert - was wir ja prinzipiell erreichen wollen. Viel seltener gibt es echte Krankheiten, wie die Sinusvenenthrombosen nach der Astra-Zeneca-Impfung oder die Herzmuskelentzündung bei jungen Männern nach m-RNAImpfungen.
Solche Dinge wurden erforscht und können jetzt entweder vermieden oder so behandelt werden, dass meist kein dauerhafter Schaden entsteht.

Für jede dieser reellen Folgekrankheiten aber, und das müssen wir in die Abwägung mit einbeziehen, ist das Risiko im Falle einer Infektion deutlich höher als nach der Impfung. Mancher Verdacht hat sich auch als unbegründet herausgestellt, wie etwa, dass die Fruchtbarkeit junger Frauen gefährdet werden könnte.

Der Nutzen der Impfung ist hoch, auch, wenn wir darüber enttäuscht sind, dass wir 3 statt 2 Impfungen brauchen. Oder dass selbst 3 Impfungen zwar schwere Verläufe drastisch unwahrscheinlicher machen, aber Infektionen nicht komplett verhindern können. Dennoch ist die Tatsache, dass wir bei einer 7-Tage-Incidenz von über 1.100 nicht im lockdown sind und die Kliniken noch weitgehend arbeitsfähig sind, eine klare Folge der Impfungen. Dass uns die Impfungen helfen, als Gesellschaft diese Pandemie mit möglichst wenigen Verlusten zu überstehen, ist aus medizinischer Sicht unstrittig.

Ob wir eine Impfpflicht brauchen, das muss dagegen die Politik entscheiden. Wir vertrauen darauf, dass die politischen Prozesse in Deutschland auch so brisante und schwierige Themen entscheiden können. Wenn es dabei um die Abwägung widerstreitender Grundrechte geht wie jetzt bei der Impfpflicht-Debatte, dann dauert das mitunter quälend lange. Aber wenn am Ende eine Lösung steht, die für die allermeisten akzeptabel ist und die auch für Minderheiten notwendige Schutzklauseln enthält, dann ist diese Zeit gut investiert.

Damit wir als Gesellschaft über solche Themen debattieren können, haben wir das Recht, frei unsere Meinung zu äußern. Das ist ein Grundrecht und damit nicht verhandelbar. Dabei gelten aber Regeln, die wir uns selbst gegeben haben. Gewaltfrei, rücksichtsvoll und unter Achtung aktueller Auflagen des Infektionsschutzes darf hierzulande fast alles gesagt werden. Was wir aber nicht tolerieren werden, sind verbale und und tätliche
Angriffe auf Minderheiten und gewählte Amtsträger, auf medizinisches Personal, Wissenschaftler und Polizisten. Und unsere Toleranz endet definitiv auch bei braunem Gedankengut.

Danke, dass Sie alle hier sind, um dafür ein Zeichen zu setzen!

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Danke für diesen eindrücklichen Redebeitrag und auch ein herzliches Dankeschön an alle Organisatoren und Ordner, auch aus dem Vorstand der CDU Mössingen!




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